Sinnsuche zwischen Bahnhofsuhren
Der 12-jährige Waisenjunge Hugo (Asa Butterfield, "Der Junge im gestreiften Pyjama") schlägt sich seit dem Tod seines Vaters, einem Uhrenmacher (Jude Law, "Sherlock Holmes"), allein in einem riesigen Pariser Bahnhof durch. Er lebt und versteckt sich auf dem Dachboden hinter einer großen Bahnhofsuhr. Statt zur Schule zu gehen, zwingt ihn sein Onkel dessen Arbeit zu übernehmen: täglich alle Bahnhofsuhren aufzuziehen und am Laufen zu halten. Dabei muss sich Hugo immer wieder vor dem strengen Bahnhofspolizisten (Sacha Baron Cohen, "Brüno"/ "Borat") in Acht nehmen, der nichts unversucht lässt, um ihn einzusperren. Hugos einzige Erinnerungsstücke an seinen Vater sind ein Notizbuch mit rätselhaften Skizzen und ein kaputter Roboter zum Aufziehen, den Hugos Vater vor seinem Tod noch reparieren wollte. Das Notizbuch ist er jedoch schnell wieder los, als es dem mysteriösen Besitzer eines Spielwarengeschäfts (Ben Kingsley, "Gandhi"/ "Der Tod und das Mädchen") in die Hände fällt, der es verbrennen will. Hugo freundet sich mit dessen neugieriger Nichte Isabelle (Chloe Moretz, "Hick"/ "Kick Ass") an. Sie verspricht nicht nur ihn bei der Suche nach dem Notizbuch zu unterstützen, sondern besitzt auch noch einen Schlüssel, der Hugos Roboter zum Leben erwecken kann. Mit Isabelles Hilfe kommt Hugo einem Geheimnis auf die Spur, das sein Leben und das aller Beteiligten verändern wird.
Liebeserklärung ans Kino
Der Film basiert auf der preisgekrönten Romanvorlage von Brian Selznick, "Die Entdeckung des Hugo Cabret". Doch auch wenn es sich dabei um ein Jugendbuch handelt, richtet sich Scorseses Film wohl eher an Erwachsene. Der Meisterregisseur macht daraus eine Hommage an den französischen Illusionisten, Theaterbesitzer und Filmregisseur Georges Méliès, einem der Pioniere der Filmgeschichte. Der in 3D-gedrehte Film beeindruckt durch faszinierende Luftaufnahmen von Paris, eindrucksvolle Nahaufnahmen vom Bahnhof und seinen gigantischen Uhrwerken und langen, atmosphärischen Einstellungen mit viel Liebe zum Detail, wie beispielsweise die Szenen im Tanzcafé, in denen ganz im Stil der 30er Jahre Tango zur Live-Kapelle getanzt wird. Das verleiht ihm zwar gewisse Längen, tut dem Gesamtkunstwerk jedoch keinen Abbruch. Unterstrichen wird diese Atmosphäre noch durch die dichte, schwere Filmmusik. Herausragend spielt Ben Kingsley den mysteriös-unnahbaren Bahnhofs-Ladenbesitzer und seinen Wandel vom experimentierfreudigen Filmpionier und später gebrochenen Idealisten zum wiederaufgeblühten Filmregisseur, der auf sein Lebenswerk zurückblickt. Auch die anderen Hauptrollen sind mit den talentierten Nachwuchsschauspielern Asa Butterfield und Chloe Moretz glänzend besetzt, die beide sehr frisch und ungekünstelt rüberkommen. Asa Butterfield als Hugo bekommt die Gratwanderung zwischen Trauer über den Verlust des Vaters, und Neugier auf die Lösung der rätselhaften Geheimnisse, die dieser ihm hinterlassen hat, eindrucksvoll hin. Seine großen, tiefblauen Augen können dieses Wechselbad der Gefühle ausdrücken, ohne dass es kitschig wirkt. Chloe Moretz ist in der Rolle der abenteuerlustig-fröhlichen Isabelle eine Traumbesetzung. Auch die Nebenrollen (Christopher Lee, Jude Law, Sascha Baron Cohen, Emily Mortime) sind absolut hochkarätig besetzt. Hervorzuheben sind besonders die Auftritte von Sascha Baron Cohen als fieser Bahnhofsvorsteher, der auf sehr tollpatschige Weise der Blumenverkäuferin Lisette (Emily Mortimer) den Hof macht.
Fazit: "Hugo Cabret" ist ein Muss für alle Filmliebhaber und ein außergewöhnlich intensives Kinoerlebnis, nicht nur für die Kleinen.
Filmstart: 09. Februar 2012
"Hugo Cabret" (OT: "Hugo"), Genre: Spielfilm, Regie: Martin Scorsese, Cast: Ben Kingsley, Sacha Baron Cohen, Asa Butterfield, Chloe Moretz, Ray Winstone, Emily Mortimer, Christopher Lee, Jude Law, Produktionsjahr: 2011, USA, Laufzeit: 126 Minuten, FSK: Freigegeben ab 6.
Die Biographie von Martin Scorsese und mehr zu seinen Filmen bei Film-Lexikon


















