"Männer al dente" erzählt von Tommaso Cantone und seinem Vorhaben sich vor seinen Eltern zu Outen, um frei zu sein. Doch als er sich bei einem Abendessen mit Geschäftspartnern dazu überwindet, fällt ihm sein Bruder Antonio ins Wort und beichtet eine recht ähnliche Geschichte. Zwar studierte Antonio nicht Literatur anstatt BWL wie sein Bruder Tommaso, aber schwul ist er genauso – und das kann eine konservative, patriachialische Familie beim besten Willen nicht gut aufnehmen. Also jagt Vater Cantone seinen Ältesten aus dem Haus und übergibt Tommaso die ungeliebte Aufgabe die familienbetriebenen Nudelfabrik zu führen, während sein Freund zu Hause in Rom auf seine Rückkehr wartet. Die Zwickmühle in der sich der junge Cantone jetzt befindet kann nur seine Großmutter verstehen, denn sie weiß "man kann sich nicht aussuchen wen man liebt" - immerhin heiratete sie den Bruder ihrer großen Liebe, nur um diesem nahe sein zu können.
Eigentlich beginnt "Männer al dente" wie ein typisch italienischer Familienfilm – eher wie eine Komödie um die Nudelfabrik der Familie Cantone, einen machohaften Familienvater, eine auf Harmonie und Ansehen bedachte Mutter, eine Alkoholikertante, die sich heimlich Geliebte ins Haus holt und mit den Worten "Haltet den Dieb!" wieder entlässt, die zynische Großmutter und zwei Söhne, die bald das Familiengeschäft übernehmen sollen. Aber so einfach ist es eben nicht, denn sowohl Antonio als auch Tommaso sind schwul. Und Homosexualität ist im konservativen Süditalien ein Tabuthema und umgehen kann niemand so wirklich damit – außer die Großmutter der Familie. Das macht Regisseur Ferzan Ozpetek durch ausdrucksstarke Rückblenden in ihre Vergangenheit deutlich. Die lebendigen Szenen inmitten traditioneller Steinhäuser erzählen ganz ohne Ton die tragische unerfüllte Liebeseschichte der Großmutter.
Doch Tommasos Geheimnis kommt nicht ans Licht - auch nicht als seine homosexuellen und mehr oder weniger tuntigen Freunde aus Rom anreisen, was dem Film einige komische bis ironische Momente beschert. Enttäuscht wird nur, wer sich im Verlauf der Geschichte auf ein Happy End à la Hollywood freut – zwar wird die Familie wieder vereint, das aber nur durch den Tod der Großmutter, die – und das ist wohl die einzige nicht nachvollziehbare Szene dieses Films - kurz NACH ihrem Tod ihrem Enkel Tommaso erscheint und ihm mit dem Worten "Meister deiner Fehler bist nur du" Mut zuspricht. Alles in allem ist "Männer al dente" aber ein sehenswerter und tiefgründiger Film, der allen, die "Das Leben ist schön" mochten, auch gefallen wird.
Ab 15. Juli 2010 in den Kinos.
"Männer al dente" (OT: "Mine vaganti"), Genre: Tragikkomödie, Regie: Ferzan Ozpetek, Cast: Riccardo Scamarcio, Nicole Grimaudo, Alessandro Preziosi, Produktionsjahr: 2010, Italien, Laufzeit: 116 Miuten.
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