Filmkritik: Was weg is, is weg - Vokuhila und Greenpeace

Filmkritik: Was weg is, is weg

Vokuhila und Greenpeace

© Senator Film Verleih
Die schwarze Komödie "Was weg is, is weg" ist das Regiedebüt von Christian Lerch, dem Drehbuchautor von "Wer früher stirbt, ist länger tot". Es ist die Geschichte einer bayerischen Familie mit drei sehr unterschiedlichen Söhnen, die nach einem tragischen Unglücksfall auseinanderbricht. 20 Jahre später hat jedes der Familienmitglieder seinen eigenen Weg eingeschlagen und so reicht die Themenpalette des Films von Tschernobyl, Greenpeace und Weltverbesserung über Aberglaube,  Versicherungsbetrug und Eheprobleme bis zum Pflegefall in der Familie. Alles spielt vor dem Hintergrund der 80er-Jahre, gespickt mit einer geballten Ladung Klischees.

Von heile Welt bis Versicherungsbetrug

Die Handlung beginnt 1968 auf einem bayerischen Hof. Das heile Leben der drei kleinen Brüder Paul, Lukas und Hansi findet ein jähes Ende, als ihr tüftelnder Lieblingsonkel Sepp (Johann Schuler) beim Demonstrieren seiner neuesten Erfindung, einer Maschine zur alternativen Energiegewinnung, einen Stromschlag abbekommt und fortan ein Pflegefall ist. 20 Jahre später ist Lukas (Florian Brückner/ "Die drei Musketiere") gerade dabei alle Brücken hinter sich abzubrechen und auf einem Greenpeace-Schiff in Neuseeland anzuheuern. Aus seinem Bruder Hansi (Maximilian Brückner) ist ein windiger Versicherungsvertreter geworden, der auch nicht vor zwielichtigen Deals zurückschreckt. Hauptsache, die Provision stimmt. Der geistig zurückgebliebene, stark übergewichtige Paul (Mathias Kellner) lebt in seiner eigenen Welt  und hält sich für Jesus den Erlöser. Ihre Eltern Erika (Johanna Bittenbinder, "Sau Nummer vier. Ein Niederbayernkrimi") und  Johann Baumgarten (Heinz-Josef Braun, "Die Tote im Moorwald") granteln weiter einsam zu zweit auf ihrem Hof. Ein Unfall an der Schneidemaschine von Fleischer Much (Jürgen Tonkel, "Der ganz große Traum") ist schließlich der Auslöser für eine ungeplante Familienzusammenführung. Doch vorher gibt es noch jede Menge wilde Verfolgungsjagden über dörfliche Landstraßen, Umweltaktivismus, eine gewaltige Explosion und die Anbahnung einer zarten Liebesgeschichte.

Knochentrockenes Feldweg-Roadmovie

Bayerische Komödien liegen derzeit ziemlich im Trend. Sie glänzen meist durch knappe, aber knochentrockene Dialoge, einen mitunter deftig-schwarzen Humor und spielen mit den urbayerischen Gepflogenheiten und der Heimatverbundenheit ihrer Bewohner. "Was weg is, is weg" reiht sich nahtlos in diese Kategorie ein. Der Humor ist teilweise so schwarz, dass die Genregrenzen zwischen Komödie und Drama verschwimmen. Johanna Bittenbinder und Heinz-Josef Braun überzeugen als unzufrieden knorriges Ehepaar und glänzen allein schon durch ihre Mimik. Besonders eindrucksvoll gelingt dies in der Szene, als sie den abgetrennten Unterarm des Metzgers analysieren. Fans des (Ex-) Saarländer Tatort-Kommissars Franz Kappl müssen sich vermutlich erst einmal an diesen Auftritt von Maximilian Brückner gewöhnen: Die Darstellung des prollig-peinlichen Versicherungsvertreters mit Vokuhila-Frisur, aufgeknöpftem Hemd, Goldkettchen,  Cowboystiefeln und kanariengelbem Sakko mit aufgekrempelten Ärmeln, der mit seinem Protz- BMW durch die bayerische Prärie rauscht, ist sehr gelungen. Auch sein Bruder Florian Brückner überzeugt als  naiv-verklemmter Weltverbesserer Lukas, der vor lauter Anti-Atombewegung beinahe die Liebe übersieht, die sich ihm in Gestalt der hübschen Luisa (Marie Leuenberger) an die Fersen heftet. Durch die Überschneidung der verschiedenen Lebenswege, die vielen Missverständnisse und chaotischen Verfolgungsjagden, den teils makabren Humor und die konsequent übertriebene Verballhornung der 80er Jahre bleibt der Film amüsant und kurzweilig. Und eine Botschaft hat er zum Schluss auch noch parat: Jede Familie ist eben eigen.


Filmstart: 22. März 2012

"Was weg is, is weg", Genre: Komödie, Regie: Christian Lerch, Cast: Florian Brückner, Mathias Kellner, Maximilian Brückner, Johanna Bittenbinder, Heinz-Josef Braun, Marie Leuenberger, Jürgen Tonkel, Nina Proll, Johann Schuler, Produktionsjahr: 2011, D, Laufzeit: 88 Minuten, FSK: Freigegeben ab 12.

Die Filmkritik zu "Wer früher stirbt, ist länger tot" bei Moviesection

Autor: Irina Becker

 
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