Interview mit Maximilian Brückner - Theater statt Tatort

Interview mit Maximilian Brückner

Theater statt Tatort

© Senator Film Verleih
WirliebenFilme hat mit dem bayerischen Schauspieler Maximilian Brückner über seinen neuen Kinofilm "Was weg is, is weg", das Ende seines Tatort-Engagements und seine internationalen Karriereambitionen gesprochen.

WLF: Haben Sie den Film schon gesehen?
MB: Ehrlich gesagt: nein. Nur den Anfang und einige Ausschnitte. Weil ich gerade so viel unterwegs bin mit meiner Theaterinszenierung. Das ist jetzt vielleicht nicht so gut, wenn man das liest...

WLF: Sind Sie denn zufrieden mit dem Ergebnis?
MB: Ich finde den Film super und ich finde ihn auch so schräg. Er ist was ganz anderes und hat seinen eigenen Stil. Das muss man mögen, vielleicht gefällt es einigen nicht - aber ich kann mit so was total viel anfangen.

WLF: Sind Sie kritisch zu sich?
MB: Mittlerweile kann ich mich anschauen und bin aber schon sehr kritisch. Aber noch schlimmer sind meine Geschwister (lacht).

WLF: Was war das Besondere an diesem Film?
MB: Das Drehbuch von Christian Lerch (Drehbuchautor und Regisseur, Anmerkung WLF), auch dass er dort das erste Mal Regie geführt hat. Christian hat schon sehr gute Drehbücher geschrieben – auch schlechte von anderen wieder gut geschrieben. Er hat einfach ein sehr großes Talent auf diesem Gebiet. Ich mag ihn, wir sind befreundet. Ich fand das Buch super, die Figur, die ich spielen durfte und diesen Humor.

WLF: Ihr leiblicher Bruder Florian spielt auch im Film Ihren Bruder. Wie war es, mit ihm zu spielen?
MB: Der Flo..(lacht) .. das ist halt mein Bruder. Der Vorteil ist, dass es keine Befindlichkeiten gibt. Wir haben uns schon früher als Kinder verdroschen. Das machen wir jetzt vor der Kamera auch... (grinst). Leider hatten wir nicht so viele gemeinsame Szenen.

WLF: Spielen Sie lieber in bayerischen Filmen oder in gesamtdeutschen Produktionen mit?
MB: Das kommt aufs Drehbuch an.

WLF: "Was weg ist, is weg" spielt vor dem Hintergrund der 80er Jahre. Sie sind erst 1979 geboren - was verbinden Sie mit der Zeit?
MB: Manta Manta (Kinofilm mit Til Schweiger aus dem Jahr 1991, Anmerkung WLF). Genau der Stereotyp ist auch in die Rolle eingeflossen.

WLF: In der Rolle des Kommissar Franz Kappl aus dem saarländischen Tatort kennt man Sie als ruhigen, ehrgeizigen Ermittler. Wie schwer fiel Ihnen bei "Was weg is, is weg" die Rolle des prollig-peinlichen, hektischen Versicherungsvertreters?
MB: Das machte den Reiz aus. Ich versuche immer sehr verschiedene Rollen zu spielen, ganz verschiedene Typen. Auch äußerlich versuche ich immer etwas zu verändern. Das geht in dem einen Film besser als im anderen. Aber das Tolle ist, dass ich das Glück und die Möglichkeit habe, mir die Rollen aussuchen zu dürfen. Manchmal ist es aber auch hart stur zu bleiben und eine Rolle abzusagen, weil man vielleicht das Geld ganz gut gebrauchen könnte. Aber ich muss natürlich auch keine Familie ernähren. Das gibt mir noch mehr Freiheit.

WLF: Soll das heißen, dass Sie obwohl Sie mittlerweile in Deutschland ein etablierter Schauspieler sind, immer noch um Ihr Auskommen kämpfen müssen?
MB: Ein Kampf ist es nicht. Ich glaube eher, dass wenn man das Glück hat mehrere Angebote zu haben, man auch verantwortungsvoll die Filme auswählen muss, die man macht. Man muss ja auch weiterdenken. Man will ja kein Stern sein, der drei Jahre glüht, und dann fällt er vom Himmel runter...
Aber ich mach so viele verschiedene Sachen: Ich führe jetzt das erste Mal Regie, spiele Theater, drehe viele Filme und von dem her habe ich auch keine Angst. Ich hoffe eben immer schöne Rollenangebote zu bekommen. Da habe ich eine gewisse Demut davor und weiß das sehr zu schätzen.

WLF: Was machen Sie am liebsten: Kino, TV oder Theater?
MB: Alles. Man kann das gar nicht so vergleichen. Es funktioniert anders, das Medium ist anders. Das Tolle am Theater ist die Unmittelbarkeit und das Absurde beim Film ist, dass man zwar ganz sauber und fein spielen kann, aber dann spricht man erst ein halbes Jahr später darüber und ist bereits mit ganz anderen Sachen beschäftigt.

WLF: Im Februar sind Sie ja erst mal mit Ihrer eigenen Theaterproduktion beschäftigt (als Regisseur von Ludwig Thomas "Magdalena" im Münchner Volkstheater, Anmerkung WLF). Woran arbeiten Sie sonst gerade?
MB: Ich werde danach wahrscheinlich einen Kinofilm machen: ganz tolles Drehbuch, sehr harter Stoff. Das ist aber noch nicht ganz raus.

WLF: Am Sonntag, den 22.01.12 lief die letzte Folge mit Ihnen als Tatort-Kommissar Franz Kappl. Haben Sie die angeschaut?
MB: Nein, ich war am Sonntag nicht da.

WLF: Haben Sie das Aus mittlerweile schon verdaut?
MB: Was heißt verdaut. Wenn eine Sache vorbei ist, ist sie vorbei. Ich bin auch keiner, der an irgendwelchen Sachen hängt. Das haben ja nicht wir beschlossen, sondern die Redaktion, beziehungsweise der Redakteur. Ich habe ja genügend Arbeit. Schade wie es jetzt gelaufen ist. Ich glaube nicht, dass die Geschichte schon auserzählt war, aber ich bin Schauspieler und werde engagiert oder nicht. Ich zwinge ja keinen, dass er mich spielen lässt.

WLF: Das allgemeine Feedback war ja so, dass diese Entscheidung keiner so richtig verstanden hat…
MB: Die meisten kapieren das bis heute nicht…

WLF: Könnten Sie sich ein Comeback vorstellen, wenn sich die Gelegenheit böte?
MB: Über so etwas denke ich nicht nach. Ich glaube auch nicht, dass das Thema nochmal relevant wird.

WLF: Käme für Sie ein Einsatz in einer anderen Serie in Frage?
MB: Ich bin kein Freund von Serien, weil man da immer so festgelegt ist. Aber ich glaube, wenn ich 60 oder 70 bin, dann wäre eine Serie was ganz Tolles. Am besten noch am Chiemsee (wohnt in der Nähe, Anmerkung WLF), dann bräuchte ich auch nicht so weit fahren… (lacht). Es ist aber auch Käse, Serien zu verdonnern. Zum Beispiel in Amerika gibt es ganz tolle Serien wie "Breaking Bad". So was würde ich glaub' machen. Aber da braucht man sehr viel Mut. Bis jetzt habe ich in der Richtung noch nichts gefunden.

WLF: Von Riedering nach Hollywood: In "Gefährten" (Regie: Steven Spielberg) spielen Sie einen deutschen Offizier. Kommt jetzt bald der internationale Durchbruch?
MB: (lacht) Ich hatte da nur eine ganz kleine Rolle. Und die Szenen haben sie jetzt auch noch rausgeschnitten. Wenn sie in den Film gehen, sehen sie mich vielleicht zweimal durchs Bild laufen. Ich habe da aber überhaupt kein Problem damit. Es wird jetzt immer so erwähnt - und keine Frage, ich bin total stolz darauf, dass ich mit Spielberg drehen durfte. Es war eine irre Erfahrung. Vor allem ging es so schnell. Als ich mit ihm gedreht habe, hatte ich natürlich totale Panik. Ich habe auch nicht wirklich eine Erinnerung an den Tag - alles war so irreal. Aber ich habe tolle Kollegen kennengelernt: Rainer Bock, David Kross - ein super Talent und total netter Kerl - und Steven Spielberg eben. Es war irgendwie total absurd. Letztendlich drehen die aber auch bloß einen Film. Nur eben mit ganz anderen Budgets und Aufwand.

Der Plot zu Steven Spielbergs "Gefährten" bei Filmtipps24

Autor: Irina Becker

 
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