Interview: Sharlto Copley aus "Das A-Team" - Der "neue" Murdock

Interview: Sharlto Copley aus "Das A-Team"

Der "neue" Murdock

© 20th Century Fox Home

Sharlto Copley spielte den Murdock im Film "Das A-Team", seinem bisher zweiten Film nach "District 9", dem Grusel-Independent-Hit aus dem Jahr 2009. Jetzt kommt die Filmversion der 80er-Jahre-Kultserie als Extended Cut auf DVD und Blu-ray in die Läden - und Sharlto plaudert nocheinmal über die Dreharbeiten, seine Kollegen und sein Faible für Murdock...


wlf: Haben Sie "A-Team" auch in Südafrika gesehen?

SC: Ja, tatsächlich war das meine Lieblingsserie als Kind, ich war richtig süchtig! Ich hatte alle Actionfiguren, ich war Teil einer "A-Team"-Gang in der Schule, ich hatte Sammelkarten zum Tauschen. Das war der Hauptgrund, warum ich diesen Film  machen wollte. Ich hoffte einen Charakter schaffen zu können, den ich als Fan selbst gerne sehen würde.

wlf: Erzählen Sie mir etwas über das Casting. Wie wurde Ihnen denn die Rolle des Murdock angeboten?

SC: Mir wurde ein Skript geschickt und ich als Fan der Show fand, dass der ursprüngliche Murdock der Serie und der Murdock des Skriptes sehr unterschiedlich waren. Bevor ich mich mit dem Regisseur Joe Carnahan traf, stellte ich ein paar Szenen in meinem Hotelzimmer nach, die ich "Things that could happen to Murdock in a hotel room" ("Dinge, die Murdock in einem Hotelzimmer passieren könnten") nannte. Ich wollte ihm einen Eindruck davon vermitteln, was ich mit der Rolle vor hatte.

wlf:Ich habe da etwas von einem privaten Casting-Tape gehört...

SC: Ja, das gibt es in der Tat. Zu der Zeit hatte ich gerade viel mit der Promotion von "District 9" zu tun, darum konnte ich nur mit ein paar Requisiten aus dem Hotelzimmer improvisieren. Ich habe mit verschiedenen Stimmen und Akzenten gearbeitet und hatte sogar "Billy, den unsichtbaren Hund" und noch viel mehr Sachen aus der Serie. Als ich mich dann mit Joe Carnahan getroffen habe war er Gott sei Dank begeistert davon, dass ich Murdock auf die selbe, total verrückte Art und Weise darstellen wollte.

wlf: Wenn wir über seine Verrücktheiten reden - warum glauben Sie ist Murdock so beliebt, obwohl er mental instabil ist?


SC: Es ist generell schwer zu sagen, aus welchem Grund Leute manche Sachen mögen. Ich mag Murdock - wie manch anderer vielleicht auch - deshalb so gern, weil er so ein unterhaltsamer Spaßvogel ist. Mir gefällt besonders seine Freigeistigkeit: Er kümmert sich einfach nicht darum, was andere von ihm denken. Mich in eine Person hinein zu versetzen, die in jeder Situation tun und lassen kann was sie will, sich so verhält wie sie gerade will - das war eine Herausforderung für mich. Aus menschlicher Sicht ist es erfrischend, jemanden zu sehen, der den üblichen Rahmen sprengt.

wlf: Jeder kann sich daran erinnern, wie Dwight Schultz den "Ur-Murdock" dargestellt hat. Wie viel Raum war denn für Sie, die Rolle zu interpretieren?

SC: Ich  glaube, dass sich die Darstellung meines Charakters mehr am Original orientiert, als die der anderen drei Jungs. Das war auch durchaus beabsichtigt. Ich meine, ich wuchs mit diesem Charakter auf und war natürlich sehr beeindruckt. Es ging mir nicht darum, Dwight zu kopieren, sondern den Kern dessen zu erfassen, wie und mit welchem Spaß er den Charakter darstellte.

wlf: Dwight Schultz hat ein Cameo im Film. Wie war es mit ihm zu arbeiten?

SC: Es war eine sehr lehrreiche Erfahrung und ich war sehr dankbar dafür. Einmal hatte ich richtige Panik! Da wir ja nur eine Szene zusammen hatten, wurde mir klar, dass ich ihm vorher mein Testmaterial zeigen muss - schließlich hatte er zuvor nicht all zu viel von meinem Murdock gesehen. Ich wollte ihn von dem überzeugen, was ich mit dem Charakter vor hatte, denn es war mir extrem wichtig, dass ich einerseits Murdock so darstelle, dass es mir gefiel und andererseits, dass es ihm gefiel.

wlf: Und hat es ihm gefallen?


SC: Ich wollte seinen Segen, und den bekam ich dann auch. Ich führte ihm die Tests vor und er drehte sich mit Tränen in den Augen zu mir um, umarmte mich und sagte: Du bist Murdock. Auf seiner Website schreib er "Murdock ist tot. Lang lebe Murdock." Er hat diesen Ausdruck benutzt, da er inzwischen ein großer Shakespeare Schauspieler ist und ich wusste das zu schätzen, es war eine sehr bewegende Erfahrung. Nach diesem Treffen haben wir sogar eine Freundschaft aufgebaut, ab und zu sehen wir uns in Los Angeles.

wlf:Wie war es mit großen Hollywoodstars wie Liam Neeson, Bradley Cooper und Jessica Biel zu arbeiten?

SC: Sie zu treffen und mit ihnen zu arbeiten war eine interessante Erfahrung. Das war etwas ganz anderes als bei "District 9". Die Produktionsdimensionen sind ziemlich groß. Insgesamt war es viel leichter als "District 9", welcher mein erster Film war und mit sehr wenig Geld produziert wurde. Als Schauspieler lastete viel weniger Druck auf mir, da das hier nur eine Nebenrolle war, etwas zum Spaß haben. Ich habe meine ganz eine Meinung über das Schauspielen und was eine Performance ausmacht. Ich war also nie davon eingeschüchtert mit den anderen Darstellern zu arbeiten. Ich bin nur sehr dankbar für die Möglichkeit, mit ihnen auf der Leinwand zu sehen zu sein und ich finde, dass es die richtige Besetzung war. Als Fan war ich im Vorfeld nämlich sehr gespannt, wen sie wohl für die Rollen casten würden.

wlf: Wird es ein Sequel geben?

SC: Mir ist noch nichts bekannt. Wir haben alle vertraglich vereinbart, dass wir in den Sequels auch mitwirken, aber bis jetzt habe ich noch nichts gehört.

wlf: Was war das Verrückteste, das am Set passiert ist?

SC: Das Verrückteste, das passiert ist, hat eigentlich gar nichts mit dem Film zu tun. Ich habe meinen Trailer in einen Streichelzoo verwandelt. Das sind die Sachen, die man machen kann, wenn man in einem großen Hollywoodfilm mitspielt und man viel seiner Freizeit damit verbringt, in seinem luxuriösen Trailer zu sitzen, der die Größe eines Apartment hat. Ich bin ein echter Tierliebhaber und da war dieser Typ, ein Tierretter aus Vancouver, und er brachte mir einen ganzen Haufen Tiere in meinen Trailer, zum Beispiel einen Lemur, der gerne um meinen Kopf herumsprang. Ich fütterte die Tiere und lernte nebenbei noch eine Menge über sie. Das war schon ziemlich verrückt.

wlf: Was können wir von der DVD erwarten?

SC: Da ist eine Menge Zeug mit dabei, worüber ich ganz froh bin. Es gibt einige ungekürzte Szenen, z.B. die Befreiungsaktion, in welcher sie Murdock aus dem Irrenhaus holen oder die Szene, in der diese verrückten Typen den Film anschauen. Sie war ursprünglich länger, aber einiges davon ist der Schere zum Opfer gefallen. Es wird auch viele zusätzliche Szenen geben, u.a. die Szene, in der Murdock den Arzt berät, obwohl dieser ja ihn beraten sollte. Es gibt noch viel mehr und ich finde die Behind-the-Scenes Crew hat richtig gute Arbeit geleistet. Wir haben viel Quatsch gemacht und ich habe vorgegeben, eine richtige Diva zu sein - schließlich habe ich ja schon in diesen einem Film mitgespielt - ich hab´s der Crew ganz schön schwer gemacht. Einfach spaßiges Zeug, das man normalerweise nicht mit auf der DVD hat.

wlf: Woran arbeiten Sie jetzt im Moment? Mir sind Gerüchte bezüglich "Men in Black 3" zu Ohren gekommen....

SC: Nein, leider ist in Sachen "Men in Black 3" noch nichts bestätigt. Ich bin immer noch am Überlegen und es gibt immer noch Verhandlungen deswegen. Wir versuchen uns darüber klar zu werden, ob es die richtige Entscheidung wäre. Aber ich habe mich für einen anderen Film verpflichtet, was zwar total aufregend ist, aber worüber ich noch nichts sagen darf. Aber ich verspreche Ihnen, dass Sie ihn lieben werden.

Weitere Informationen über die DVD und Blu-ray sowie eine Review von "Das A-Team - der Film" gibt es hier.

Facts und Trivia zu Murdock und den anderen "A-Teamlern" bei Kinomeister.de

Autor: Bernd Pipo

 
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